Schweiz – Singapore 0 : 1

geschrieben am 19. April 2007 in der Kategorie Allgemein

Die Schweiz ist bekannt für Banken, Uhren, Schokolade und Sauberkeit. So sauber sei die Schweiz, dass man allerorten auf dem Boden essen könne, stellten Touristen aus aller Welt einst anerkennend fest. Das war einmal. Heute liegen auf Strassen, Plätzen, in Grünanlagen und in der Bahn, Flaschen, Büchsen, Papiertüten, Zigarettenstummel und allerlei weiterer Unrat herum. Und es wird immer schlimmer. Weltmeister in Sachen Sauberkeit ist heute Singapore. Der Stadtstaat führte 1968 die erste Kampagne “Keep Singapore Clean” durch. Heute wird jedermann, der Abfall auf der Strasse wegwirft – und sei es auch nur eine Kleinigkeit – mit bis zu 1000 Singapore Dollar (ca. 800 Franken) bestraft. Im Wiederholdungsfall kostet die Busse 2’000 S$, und zusätzlich muss der Fehlbare einige Stunden Fronarbeit zum Reinigen von Strassen und Plätzen leisten. Die Sünder haben während der Putzarbeit Leuchtjacken zu tragen, die sie als Umweltverschmutzer blossstellen. Die Medien sind scharf auf Sünder, die einen gewissen Bekanntheitsgrad geniessen. Drakonischer sind die Sanktionen für Drogendelikte: Die Maximalstrafe für Drogenkonsum beträgt 10 Jahre Gefängnis, beim Drogenhandel droht schon bei kleinen Mengen die Todesstrafe.

Soll uns Singapore Vorbild sein? Sollen Leute, die zu faul sind, den Abfall bis zum nächsten Abfallkübel zu tragen, oder leer gegessene Plastic-Boxen aus dem fahrenden Auto werfen, verfolgt, streng bestraft und blossgestellt werden? Was im Süden der Halbinsel Malaysias funktioniert, könnte auch bei uns wirksam sein. Die Gemeinde Wallisellen hat entschieden, dass Umweltverschmutzer demnächst mit 30 Franken gebüsst werden können. Besser wäre es, wenn wir eine einfachere Lösung finden könnten, indem wir uns der guten, alten bürgerlichen Tugenden besinnen: Anstand, Respekt, Reinlichkeit, Disziplin und Sparsamkeit Wir sollten auch die Zivilcourage haben, Umweltverschmutzer zurechtzuweisen. In ländlichen Gebieten sind die Strassen meist sauberer als in der Stadt. Die soziale Kontrolle funktioniert im Kleinen besser als in der Anonymität. Und dort, wo schon Unrat liegt, sinkt auch die Schwelle, weiteren Abfall liegen zu lassen.

Wollen wir immer mehr Dreck? Oder doch lieber die effiziente Methode Singapore?



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